Der Alte
written by Dida
Grell war der Raum von Neonlicht erleuchtet. Die Stille war bedrückend, und Jahn empfand sie als eine beinahe körperlich spürbare Last. Kahle weiße Wände warfen das Echo seiner Schritte in den fensterlosen Raum überlaut zurück. „Ich werde nicht verrückt, nicht verrückt", murmelte Jahn vor sich hin. Vier Wochen musste er hier verbringen, 28 Tage Arrest! Der Wärter ging die letzte Runde vor dem Schichtwechsel. Mit einem lauten „Plink" erlosch das Licht. Finsternis. Undurchdringlich und bedrohlich. Jahn wusste nicht, was schlimmer war, die blendende Helligkeit der starken Neonröhren oder die absolute Dunkelheit, die ihn jetzt für acht Stunden umschloss. Es gab keine Beschäftigung., nichts zu lesen und nichts zu hören. Da war nur er mit sich allein. Die Zellen neben ihm waren ebenfalls belegt, doch jedes Gespräch, das von einem Wärter mitgehört wurde, hatte einen Tag länger hier unten zur Folge. Einen Zusatztag in diesem Nichts wollte sich niemand einhandeln. Unbehaglich zog Jahn seine Filzdecke näher an das Kinn heran. Das Piepen und Kratzen der Ratten war schon wieder zu hören. Die Biester verschonten ihn keine Nacht. Ein bloßes Loch mit Spülung im Boden diente als Toilette. Er stellte sich vor, wie die ekelhaften Wesen aus der Kanalisation ungehindert in seine Zelle eindringen konnten. Ach was! Jahn schob schnell die düsteren Gedanken beiseite und versuchte, sich auf ein Mantra für eine Meditation zu konzentrieren: „Göttliche Kraft und göttliche Liebe sind in und mit mir. Göttliche Harmonie durchströmt meine Seele..."
„Mach dir nichts vor. Hier unten gibt es keine Liebe, nur die Sehnsucht danach", unterbrach ihn da eine dunkle Stimme. Jahn brach in Schweiß aus, wild schlug ihm das Herz in der Brust. Einbildung! Alles nur Einbildung! „Ich bin so real wie du", sprach die Stimme, als könnte sie Jahns Gedanken ergründen. „Wer bist du?" fragte Jahn mit stockendem Atem. Aus dem Gemäuer trat ein schemenhafter Greis. Er war in ein wallendes Gewand gehüllt, das beinahe ebenso weiß war wie sein langer Bart. Jahn glaubte sterben zu müssen, er begriff nicht, was da vor sich ging. Ein unheimliches Entsetzen hielt ihn gefangen. „Bin ich schon verrückt geworden?" flüsterte er leise. Der alte Mann kniete sich vor Jahns Liegestatt und grinste ihn mit faltigen Wangen an: „Mein Junge, wie dir erging es mir schon vor Jahrhunderten! Schlimmer noch."„Was willst du von mir?" „Frieden", erwiderte der Greis knapp. „Wie kann ich dir Frieden geben?" wollte Jahn wissen. „Lass mich dir meine Geschichte erzählen", begann da der Alte.
„Vor langer Zeit gab es in dieser Gegend einen Fürsten, dessen Leibeigene meine Sippe und ich waren. Auch die anderen Sippen im Umkreis von vielen Tagesritten lebten unter dem Joch dieses Fürsten. Wir arbeiteten hart und ernteten im Überfluss. Trotzdem litten wir oft Hunger. Der Fürst war ein ungerechter und jähzorniger Mann. Er hielt strenges Gericht und forderte hohe Steuern. Seine widernatürlichen Triebe und seine grausamen Spiele mit den schönen Jungfrauen aus seinem Volke ließen die Menschen vor ihm schaudern. Er quälte sie gern,stiftete Schmerz und Leiden, und zum Ende schändete er die armen Geschöpfe. Er war wahrlich ein grausamer, böser Mann, und nicht wenige flüsterten hinter vorgehaltener Hand,er stünde mit dem Leibhaftigen im Bunde. Ungebrochen war auch sein Kriegsglück, er war gefürchtet von allen Feinden. Jene, die im Streit gegen ihn überlebten, deren waren beileibe nicht viele, träumten bis ans Ende ihrer Tage von seinem unheimlichen Gelächter, welches er nach jedem Sieg anzustimmen pflegte. „Hat er dich zu dem gemacht, was du jetzt bist? Zu einem Geist?" traute sich Jahn zu fragen. Der Alte antwortete nicht sogleich, nach einer Weile zuckte er die schmalen Schultern: "In gewisser Weise tat er es wohl, doch mein verbittertes Herz trägt die gleiche Schuld. Aber ich will der Reihe nach berichten." Jahn vergaß, wie seltsam und verrückt das alles war, und lauschte gebannt der unglaublichen Erzählung: "Ich hatte Kinder,vier an der Zahl, zwei kräftige Burschen und zwei Töchter. Die Jungen bereiteten mir große Freude,stark und kräftig waren sie gewachsen, und wenn sie auch nie Mönche hätten werden können, so waren sie doch von natürlichem Witz. Das eine Mädchen war stets verschwiegen und scheu. Nur durch ein Wunder hatte sie als Kleinkind die Pocken überlebt. Nun war sie von Narben entstellt. Die Jüngste,Maria," - ein Leuchten erfüllte die alten Augen, als der Greis von ihr erzählte - „sie war zu jener Zeit, als sich alles zu trug, gerade 17 Lenze jung. Von vornehmer, heller Gesichtsfarbe war sie und sanft wie ein Reh, ihr Haar leuchtete golden im Sonnenschein. Ein schönes Kind war sie fürwahr, doch war Schönheit zu jener Zeit ein Fluch.
Eines Tages ritt der Fürst auf einer Erkundung durch seine Ländereien auch über die Felder, die wir bewirtschafteten, und zu unserem Leid wurde er Maria gewahr. Er betrachtete das Mädchen eine ganze Weile. Als er endlich den Blick abwandte, sah ich für einen Moment in seine Augen. Unverhohlene Gier und Lust fand ich in ihnen gespiegelt. Der Fürst schickte einen Hauptmann, der mir befahl, des nächsten Tages um die Abendzeit hätte meine Tochter zurechtgemacht in der fürstlichen Burg zu erscheinen. Nun, ich war froh des Spielraums wegen. Ich packte Maria an der Hand und eilte mit ihr nach Hause. An eine Flucht war nicht zu denken, und so nutzte ich die Zeit und zerschnitt Maria das Antlitz, noch ehe sie begriff, was mein Trachten war. Es blutete mir das väterliche Herz,diese Schönheit zu zerstören und dem Kinde ein Leid anzutun. Aber ich musste es doch vollbringen, da ich, wie jedermann, um des Fürsten Gelüste wusste. Der Schnitt war indessen zu glatt, so dass einer schwerlich an einen Unfall glauben konnte. Ich aber war gewiss, das Töchterlein unversehrt zurückzuerhalten. Zu hässlich erschien sie mir für des Herrschers Auge. Hoffnungsvoll schickte ich Maria anderntags auf die Burg. Der Fürst, ein ebenso schlauer wie brutaler Mensch, erkannte die Absicht sofort und schickte Schergen, mich zu stellen. Ohne Gegenwehr ließ ich mich abführen und wurde direkt in des Fürsten Halle gebracht. Mir stockte der Atem, so heiß war darin die Luft. Ein riesiger Kupferkessel wurde geschürt. Dann sah ich die Tochter, vor dem Thron des Herrschers musste sie zu dessen Füßen kauern. Während sie nicht wagte, den Blick zu heben, musterte mich der Fürst halb belustigt, halb zornig. Er donnerte mir entgegen: ,War das die Idee eines fürsorglichen Vaters? Oder die einer zickigen Jungfrau? Sprich, aber überlege die Worte gut!" Mir war das Blut in den Adern gefroren, und ich wusste, meine letzte Stunde hatte geschlagen. ,Hört', rief ich, ,das Kind ist frei von jeder Schuld. Ich tat, was ich für meine väterliche Pflicht hielt, und erwarte demütig meine Strafe.' Ein kühn gesprochenes Wort, jedoch flatterte mein Inneres wie ein Nachtfalter im Licht. ,Wohl an', sprach der Fürst nach kurzem Überlegen, ,so höre denn meinen Richter- spruch: Du hast mein Eigentum beschädigt in der Absicht, mich zu hintergehen. Das Eigentum ist nunmehr wertlos und wird vernichtet, der Beschädiger zu lebenslanger Kerkerstrafe verurteilt, oder bis die Gnade des Fürsten ein anderes Schicksal bestimmt!' Ich schrie: ,Nein, mein Fürst, lasst die Tochter leben! Sie kann ja noch arbeiten! Gnade!' Auch Maria schrie und weinte. Ich versuchte, zu ihr zu gelangen, doch da wurde ich schon gepackt,gefesselt und geknebelt. Auf einen Wink des Fürsten rissen die Wächter meiner Tochter dasKleid vom Leibe. Ihr Aufbäumen war vergebens. Man zerrte sie mit Gewalt zu dem kupfernen Kessel. Da begriff ich! Der Kessel war voll mit siedendem Öl.„Oh, mein Gott!" entfuhr es Jahn. „Ja, es war ihr ein grausames Ende bestimmt. Ich musste das entsetzliche Schauspiel mit ansehen, und es war alles meine Schuld. Ein Scherge packte sie am Arm und stieß ihre Hand in das heiße Öl. Er schrie: „Ist es Euch angenehm?“ Nie werde ich Marias entsetzliches Brüllen vergessen, ihr schmerzverzerrtes Gesicht. Dann zogen sie sie an einem Seil in die Höhe über den Kessel. Meine Sinne wollten schwinden, doch ich kämpfte mit aller Gewalt dagegen an. Nachzugeben wäre mir wie Verrat an meiner Tochter vorgekommen. Langsam ließen die Dämonen das arme Kind hinab gleiten.
Irr vor Angst zog Maria die Beine an den Körper, irgendwann aber tauchte sie dann doch ein. Ich betete um ein schnelles Ende, aber diese Teufel gaben nur langsam Seil nach. Als sie endlich starb, verlor ich das Bewusstsein.
In diesem Kerker hier erwachte ich, er sah damals noch nicht so freundlich aus. Ich habe ihn nie wieder verlassen. An meinem Todestag nach 23 Jahren Kerkerhaft schwor ich, nicht eher zu ruhen, bis ich das Blut eines Schergen und das eines Fürsten getrunken hätte."
Jahns ganzer Körper war mit einer Gänsehaut überzogen. Eine unheimlich kalte Aura erfüllte die Zelle. Er spürte den Schmerz und den Hass des Wesens, das da vor ihm kniete und seine schreckliche Geschichte erzählte. Mitleid regte sich in Jahn. War das noch real oder phantasierte er? „Weshalb hast du mir das alles erzählt? Du sagtest, du willst Frieden, aber wie könnte ich ihn dir geben?" wollte Jahn wissen. „Höre, in dieser Gestalt kann ich nicht einmal einen Kiesel heben. Ich bin körperlos, du kannst durch mich hindurch fassen. Öffnest du aber dein Herz für mich, so vermag ich zu tun, was ich tun muss, um aus diesem Kerker zu kommen, um frei zu sein."
Mit diesen Worten verblasste der Alte und entschwand irgendwohin. Jahn zwickte sich. Er machte sich Gedanken über eine drohende Schizophrenie. Lange dachte er über die letzten Worte des Alten nach, doch das Schicksal der schönen Tochter drängte immer mehr in seine Überlegungen. So schlief er endlich ein. In dieser Nacht hatte er einen furchtbaren Alptraum von mittelalterlichen Kerkermeistern mit ihren Daumenschrauben, Streckbänken und Kesseln voll siedendem Öl. Morgens um sechs sprang das Licht wieder mit einem lauten „Plink" an. Dieses grelle, schmerzende Licht! Unmittelbar danach wurde die Kostklappe aufgeschlossen, und grußlos schob der Wärter den Ersatzkaffee hindurch. Jahn schnellte von seiner Matratze auf und musste sich beeilen, um die Kanne noch rechtzeitig zu ergreifen, ehe die Luke wieder zuknallte. Ihm schwindelte, und er setzte sich auf seine Matratze zurück. Der Neonröhre wandte er den Rücken zu. Langsam schlürfte er die nicht mehr ganz heiße Brühe. Die vergangene Nacht schoss ihm wieder in den Kopf. „Mein Gott, ich hoffe, das war nur ein besonders intensiver Traum. Mach dich jetzt bloß nicht verrückt, das macht nur das Alleinsein", versuchte er sich einzureden. Dann zog er sein Unterhemd aus und verband sich damit die Augen, um diesem mörderischen Licht zu entgehen. Sein elfter Tag in der Arrestzelle war angebrochen. Auch heute würde würde es ihm wieder so vorkommen, als wäre er in der Ewigkeit eingeschlossen. Es gab nichts, woran sein Geist sich klammern konnte. Zwar hätte er ein paar Liegestütze machen können, aber ihm war, als hätte ihm dieses Nichts auch all seine Körperkräfte genommen. Zu gegebener Zeit reichte man Jahn sein Mittagessen. Lustlos kaute er darauf herum, irgendwann kam die Abendkost, und von da an dauerte es noch fünf Stunden, bis die Wärter das Licht abschalteten. Diese Zeit versuchte er mit Kopfrechnungen auszufüllen. Noch 17 Tage und Nächte lagen vor ihm. Dunkelheit. „Wird Zeit, dass der Alte kommt, wenn es ihn gibt", überlegte Jahn halblaut. Gebannt starrte er gegen die Wand, aus der der Alte gestern herausgetreten war. Plötzlich nahm er einen Schimmer in der Finsternis wahr. Jahns Adamsapfel hüpfte aufgeregt in der Kehle, und hastig stützte er sich auf seine Ellenbogen. Langsam formierte sich in dem bläulichen Licht eine gebeugte Gestalt. „Hey Opa!" seine krächzende Begrüßung sollte locker klingen. „Gott zum Gruß, mein Sohn", schmunzelte das Nichts. „Scheiße, wird Zeit, dass ich hier raus komme", stöhnte Jahn. „Ich hatte schon gehofft, dass ich ein bisschen spinne. Aber wie es scheint, habe ich doch Besuch von 'nem Verstorbenen." „So ist es wohl," bekam er zur Antwort, und wieder kniete sich der Alte vor Jahn hin.
Mit warmer Stimme erzählte er aus seiner Zeit und seinem Leben, von den Gefahren und Freuden, von Hexen und Inquisition, der klaren Luft, den frischen Quellen und der schweren Arbeit. Sie waren gottesfürchtige Menschen gewesen, und obwohl das Dasein hart verdient sein wollte, gab es doch auch glückliche Momente. Der finstere Fürst presste zwar hohe Steuern aus der Sippe, jedoch wagte kein Räuberlump seinen Fuß in die fürstlichen Besitzungen. So waren die Menschen vor Plünderung, Brandschatzung und Mord geschützt. Allein der unmenschliche Tribut, den die Väter schöner Töchter zu entrichten hatten, ließ das Volk den Landherren hassen. Jahn sah in Gedanken die Landschaften, die Menschen in ihren groben Gewändern, die Märkte und natürlich die hübschen Jungfrauen. Er hing an den Lippen des Greises, so faszinierend war der Ausflug in die Vergangenheit. Noch viele Nächte vergingen in gleicher Weise, und auch Jahn hatte dem Alten einiges zu berichten. Er schilderte das moderne Zeitalter mit Computern, Autos und Flugzeugen und vielen anderen Wundern, die der Alte doch nicht mehr begreifen konnte. Trotzdem wurde dieser nicht müde, den Erzählungen zu lauschen.
Jahn glaubte nicht mehr an seine Verrücktheit und hatte gelernt zu akzeptieren, dass es Dinge gab, die der Welt verborgen blieben. Er mochte den Alten mittlerweile sehr gern. Die Nächte vergingen wie im Flug, und die Tage verschlief er. Die Geschichten des Alten waren so fesselnd und voll Leben, dass er jede Minute der Nacht nutzen wollte. Bald lagen nur noch drei Tage und vier Nächte vor Jahn, ehe man ihn wieder aus dem Arrest entließ. Der Alte schien sehr bedrückt, und seine Berichte waren nicht mehr so kraftvoll. Auch Jahn wurde sein Herz schwer, er wusste, dass der Greis ihm nicht folgen würde. Doch den Geist quälte ein anderer Gram. Er spürte die Zuneigung und das offene Herz des Lebenden schon lange, und Jahn hatte offenbar die Worte der ersten Nacht vergessen: „Öffnest du aber dein Herz für mich... sei achtsam..."
Der Alte, der nur durch die Erfüllung seines Blutschwurs erlöst werden konnte, focht einen heißen Kampf mit sich aus. Er wusste um das Gute in Jahn und mochte ihn gern, trotzdem musste er sich des Körpers bemächtigen, um seine Rache an einem Fürsten und einem seiner Schergen nehmen zu können.
Als dann der letzte Tag von Jahns Arrest verging und die letzte Nacht anbrach, wollte und wollte der Geist einfach nicht erscheinen. „Alter Mann, lass mich nicht ohne Abschied gehen", wisperte er in die Dunkelheit. „Zu jedem Fünften eines Monats werde ich in der Kirche eine Kerze für dich stiften. Aber ohne ein Wort von dir können wir uns nicht verabschieden. „Armer Narr, du weißt nichts von dem Ringen dei Liebe und des Hasses in nur", sprach da der Alte. „Hast du denn nicht begriffen? Deiner muss ich mich bemächtigen, um frei zu werden. Du wirst daran zerbrechen, denn Schreckliches muss ich vollbringen!" Langsam erschien er wieder, und Jahn fürchtete sich wie in der ersten Nacht. „Mein Schwur bindet mich. Die Seele schreit nach Erlösung, doch will sie nicht an deinem Unglück Schuld tragen. Denn das ist das Geheimnis: Die Liebe, die du mir entgegenbringst, tausche ich gegen meinen Hass aus, ich nehmen nicht nur deinen Körper, ich nehme gleichzeitig deinen Verstand und deine Liebe. Du wärst ewig verdammt! Ich könnte von hier gehen, doch ich weiß nicht, ob ich Ruhe fände. Wünschst du immer noch ein Abschiedswort?!"
Den letzten Satz brüllte er Jahn entgegen, und ein Zellennachbar klopfte gegen die Wand. Jahn zitterte wie Espenlaub, er wagte nicht, den Geist anzublicken. „Was wirst du tun? Wirst du mich nehmen?" flüsterte Jahn kaum hörbar. Tränen rannen seine Wangen hinab. Der Alte schritt auf ihn zu, er kniete nieder wie all die Nächte zuvor, und Jahn Schloss die Augen. Er fühlte einen kühlen Hauch. Stumm erwartete er sein Schicksal. Als etwas Heißes auf seine Stirn fiel, zuckte er zusammen, sein Herz schlug in wildem Rhythmus, und er riß die Augen auf. Von dem Alten war nichts mehr zu sehen! Jahn tastete über seine Stirn, seine Finger fühlten etwas Nasses, und als er mit der Zunge an ihnen leckte, merkte er, dass sie salzig waren. Eine Träne. Und sie stammte nicht von ihm.
Die Liebe in dem alten Mann hatte gesiegt. Doch sie brachte ihm keine Erlösung - oder vielleicht doch? Jahn wünschte es, aber viel mehr wünschte er das Ende der Nacht herbei.
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